Andreas Suchanek: Wie Respekt und Verantwortung zum Erfolg beitragen

Wettbewerb, Kostendruck, Vorschriften – das ist Betriebsalltag. Welche Rolle spielen dabei Fragen der Ethik? Wie bringt man Moral und Erfolg in Einklang? Im Oktober diskutieren Experten darüber bei „Chemie.Impulse“ in Mainz, einer Dialog-Veranstaltung der Chemieverbände Rheinland-Pfalz. AKTIV sprach im Vorfeld darüber mit Professor Andreas Suchanek, Vorstandsvorsitzender des Wittenberg-Zentrums für Globale Ethik.

Alle Firmen wollen Gewinn machen. Lassen sich da Moral und Profitstreben vereinbaren?

 

Man muss beide Seiten vereinbaren. Denn Profit ohne Moral zerstört die Gesellschaft, Moral ohne Profit wiederum ruiniert das Unternehmen. Wir brauchen die Vereinbarkeit, doch muss sie immer wieder durch werteorientierte Führung hergestellt werden.

Was für Werte sollte ein Unternehmen vertreten?

Tugenden wie Respekt und Inte-grität. Sie sind es, die ein Unternehmen vertrauenswürdig und damit zu einem attraktiven Kooperationspartner machen.

Gibt es da schwarze Schafe?

Leider ja, wie überall. Verantwortung muss man bewusst übernehmen. Es geht um die Frage: Wie nutze ich meine Freiheit in Konfliktsituationen? Gemeint sind Begebenheiten, die mir – zulasten anderer – Vorteile bringen. Verantwortlich handeln heißt hier, andere nicht zu schädigen. Die Anstrengungen, die man dafür aufbringt, nenne ich „Investitionen“.

Was heißt das konkret?

Jedes Unternehmen sollte zum Beispiel in die Gesundheit und Sicherheit seiner Belegschaft sowie in den Umweltschutz investieren. Und sich natürlich an Standards und Gesetze halten.

Haben Sie ein aktuelles Beispiel aus der Chemie-Branche?

Die Chemie-Industrie hat sich 2008 dem bis heute gültigen Ethik-Kodex verschrieben, also Leitlinien für den Dialog und Umgang zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Beide Seiten haben es geschafft, eine bemerkenswerte Sozialpartnerschaft aufzubauen. Das hat die Branche durch die Finanzkrise 2008 gebracht!

Sie glauben also, gute Taten werden am Ende belohnt …

Ja! Wer vernünftig investiert, sich partnerschaftlich und fair verhält, erzielt langfristig auch mehr Gewinn. Haut man Kunden übers Ohr, missachtet Auflagen oder handelt gar korrupt, steigert das vielleicht kurzfristig den Profit. Auf Dauer aber kann sich eine Firma so nicht halten oder entwickeln.

Braucht es eine Mindestgröße, um eine „gute Firma“ zu sein?

Nein. Es geht nicht um viele Projekte oder Spenden, sondern um anständiges Verhalten im Alltag.

Wo muss die Wirtschaft in puncto Ethik besser werden?

Junge Fachkräfte legen heute großen Wert auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Da müssen viele Firmen noch nachbessern. Es kommt aber nicht nur darauf an, möglichst besser zu werden. Globale Themen wie die Frage der Nachhaltigkeit und der achtsame Umgang mit Ressourcen bleiben dauerhaft. Wir müssen kontinuierlich reinvestieren, um erreichte Standards zu halten – auch in Sachen Moral.

Quelle: AKTIVonline – http://www.aktiv-online.de/nachrichten/detailseite/news/experte-erklaert-wie-respekt-und-verantwortung-zum-erfolg-beitragen-8756

Autor: Prof. Dr. Andreas Suchanek im Gespräch mit Ulrike Worlitz

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