Enzyklika „Laudato si“ aus Sicht der Chemie

Mit seiner Enzyklika „Laudato si“ ruft der Papst dazu auf, „die gesamte Menschheitsfamilie in der Suche nach einer nachhaltigen und ganzheitlichen Entwicklung zu vereinen“. Er lädt außerdem zu einem Dialog über die Zukunft des Planeten ein. Viele der in der Enzyklika dargestellten Herausforderungen sieht der Verband der Chemischen Industrie (VCI) ähnlich. Teile der Ursachenanalyse und manche der Lösungsansätze sind jedoch aus Sicht der Wirtschaft problematisch. Daher ist der Aufruf zum Dialog zu begrüßen.

Das erste Kapitel der Enzyk lika bietet eine insgesamt gute Darstellung der Herausforderungen bei den Themen Klima- und Umweltschutz. Der VCI teilt auch die Einschätzung, dass auf internationaler Ebene entschlossener gehandelt werden muss. Dies gilt vor allem beim Klimaschutz.

Problematisch erscheint die teilweise pauschale Kritik am Handeln der Privatwirtschaft. Auch wenn es negative Entwicklungen und unangemessenes Handeln der Wirtschaft gibt, ist das nicht die Norm. Viele Beispiele belegen, dass die Tätigkeit von Unternehmen in anderen Teilen der Welt nicht zu niedrigeren Standards führen muss. Gerade die international tätigen Unternehmen der chemischen Industrie mit ihren langfristig angelegten Investitionen setzen sich für weltweit hohe Umwelt- und Sozialstandards ein sowie gegen Korruption, Kinder- und Zwangsarbeit.

Ebenso problematisch zu sehen ist die insgesamt kritische Grundhaltung der Enzyklika gegenüber der Marktwirtschaft. Bis zum Jahr 2050 wird die Weltbevölkerung auf über 9 Milliarden Menschen anwachsen. Ohne die Wirtschaft wird es nicht möglich sein, deren Grundbedürfnisse zu erfüllen und allen Menschen Entwicklungsmöglichkeiten wie Bildung und Arbeitsplätze bieten zu können. Die Marktwirtschaft bietet die beste Voraussetzung dafür, dass die Wirtschaft ihr Potenzial voll entfalten und mit ihrer Innovationskraft zur Bewältigung dieser Aufgaben beitragen kann.

Soziale Marktwirtschaft als Vorbild

Dabei sollte die Marktwirtschaft als ein System oder Instrument gesehen werden, welches innerhalb vorgegebener Regeln zu den effizientesten und effektivsten Lösungen führt. Insofern ist anzuerkennen, dass die Marktwirtschaft nicht notwendigerweise zu Nachhaltigkeit führen muss. Ausschlaggebend ist der Gesamtrahmen, der von Politik und Gesellschaft für das Handeln gesetzt wird, aber auch die Art und Weise, wie die Wirtschaft ihre Verantwortung innerhalb des gesteckten Rahmens wahrnimmt. Eine Abkehr von der Marktwirtschaft kann keine geeignete Lösung sein.

Stattdessen wäre eine Orientierung an der sozialen Marktwirtschaft, wie sie sich in Deutschland entwickelt hat, wünschenswert. Die soziale Marktwirtschaft muss über die seit 2002 bestehende nationale Nachhaltigkeitsstrategie ständig in Richtung eines nachhaltigen Gesamtrahmens weiterentwickelt werden. Entscheidend für den Erfolg ist die enge Einbindung aller Stakeholder, wozu auch der Dialog mit der Industrie gehört. Dabei leisten nach Einschätzung der Politik und wichtiger Stakeholder branchenspezifische Nachhaltigkeitsstrategien wie Chemie3 einen wesentlichen Beitrag zur Förderung und Umsetzung der nationalen Nachhaltigkeitsziele.

(Quelle: chemieReport 07+08/2015).

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